Sphendýli – Das versunkene Dorf
Inmitten der hügeligen Landschaft des Hinterlandes von Heraklion auf Kreta liegt ein Ort, der wie kaum ein anderer die Transformation von Vergangenheit und Gegenwart symbolisiert:
Das Dorf Sphendýli (auch Sfendili genannt).
Seine Geschichte reicht weit zurück, denn erste schriftliche Erwähnungen des Ortes lassen sich bis in die venezianische Zeit Kretas im 16. Jahrhundert zurückverfolgen.
Im Jahr 1577 tauchte das Dorf in den Steuerlisten des venezianischen Verwalters Francesco Barozzi auf, und über Jahrhunderte hinweg führten die Bewohner hier ein traditionelles, vorwiegend von der Landwirtschaft geprägtes Leben.
Das Schicksal von Sphendýli wendete sich grundlegend mit der Planung eines der größten Infrastrukturprojekte Kretas.
Um die ständig wachsende Wasserknappheit in den Küstenregionen und Großstädten wie Heraklion und Agios Nikolaos zu bekämpfen, entschied die griechische Regierung den Bau des Aposelemis-Staudamms.
Die Geografie des Tals bestimmte dabei unweigerlich das Ende der historischen Siedlung, da Sphendýli exakt im Überflutungsbereich des künftigen Stausees lag.
Nach langjährigen Verhandlungen und der schrittweisen Umsiedlung der verbliebenen Familien begann um das Jahr 2012 die schrittweise Flutung des Tals.
Mit dem Ansteigen des Wasserspiegels versank das einst lebendige Dorf im kühlen Nass des Aposelemis-Reservoirs.
Heute ist Sphendýli als das “versunkene Dorf Kretas” bekannt.
Ein besonderes Phänomen macht den Ort zu einem faszinierenden Ausflugsziel: Je nach Jahreszeit, Niederschlagsmenge und Wasserverbrauch tauchen die verlassenen Häuser und die kleine Byzantinische Kirche Agios Nikolaos immer wieder aus dem Wasser auf oder versinken nahezu vollständig im Stausee.
Diese ständige Metamorphose macht Sphendýli zu einem stummen Mahnmal für den Konflikt zwischen historischer Heimat und den Erfordernissen moderner Infrastruktur.
Bilder und Text: Christoph Helfrich
Hinweise: Sphendyli ist von Avdou aus zu erreichen. Ein großer Teil der Strecke (etwa 2,8 km) ist eine eher holprige Offroad-Strecke. Diese sollte nicht mit Mietfahrzeugen befahren werden, wenn keine Offroad-Versicherung besteht.





















